Gesicht zeigen - Rollenspiele und Realleben

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Teylen

43, Weiblich

Beiträge: 525

Re: Gesicht zeigen - Rollenspiele und Realleben

von Teylen am 11.03.2015 14:59

Man sollte nichts in das Internet stellen von dem man nicht möchte das es Freunde, Bekannten, Kollegen, Vorgesetzte Kinder die man mag oder auf die man angewiesen ist ohne weitere Anleitung sehen. Das gilt nicht nur für Rollenspiele sondern für jede Tätigkeit.

Man kann die Freikörperkultur genießen, es in seiner Freizeit intensiv pflegen und es sogar als Lebensstil begreifen und kann sich dennoch entscheiden keine Youtube Videos oder Pintrest Walls der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen auf dem man nackt zu sehen ist.

Wenn man bei Rollenspiel sich 'fallen läßt' und das bedeutet das man Vergewaltigung, Mord, Pädophilie, Päderastie und dergleichen mehr in einer Art und Weise thematisiert die nicht als kritischer Diskurs wahrgenommen wird, vielleicht auch nicht intendiert ist, sollte man dies nach meiner persönlichen Einschätzung nicht machen wenn man einen Arbeitgeber hat der bestimmte Ansprüche an den Lebenswandel stellt.

Das heißt nicht das man gar nichts zum Rollenspiel machen kann, nur das man halt daran denken sollte wer es alles sehen kann und wie es rüber kommt. Es gibt, wahrscheinlich, für die meisten Vlogs durchaus Themen die man vorstellen kann ohne das die unbedarftere Umwelt Angst vor einem bekommt oder ein abschätziges Urteil fällt.


Was den wortwörtlichen Blick in die Kamera betrifft.
Meiner Erfahrung nach ist das nicht unbedingt nötig um wiedererkannt zu werden.
Wenn bspw. Kollegen den eigenen Vlog-Eintrag über den persönlichen Google+ Account finden. Neugierige oder geduldige Personen bekommen vermutlich auch irgendwann den Nicknamen heraus.

"Fahren wir mit dem Zweisitzer oder dem Combi?"
"Ach Schatz, nehmen wir doch das General Utility Non-Discontinuity Augmented Maneuvering System."

Antworten Zuletzt bearbeitet am 11.03.2015 15:17.

VincentShine

36, Männlich

Beiträge: 224

Re: Gesicht zeigen - Rollenspiele und Realleben

von VincentShine am 11.03.2015 11:40

hmm mal meine 5 Cent dazu.

Erstens würde ich sagen, dass es relativ schwierig ist, jemanden im Internet zu finden, wenn man nicht sein Pseudonym mit seinem echten Namen verbinden kann. Also halte ich persönlich die Chance, dass irgendjemand aus dem Berufsumfeld einen findet für relativ gering, wenn man weiß wie man im Internet agieren muss.

Sollte es dennoch der Fall sein rate ich persönlich einfach zu einem Gespräch, es kann anstrengend sein, aber die meisten Menschen sind in der Lage Dinge zu verstehen wenn man sie erläutert und in ein entsprechendes Licht rückt.

Ich selbst hatte kürzlich die Situation, dass ich eine Rollenspielrunde mit einigen jugendlichen Mädchen aus meiner Gemeinde angefangen habe und wir uns eben einmal über eine Situation unterhalten haben, wo eine von ihnen vor der Wahl stand eine Wache zu töten oder ihre Tarnung auffliegen zu lassen. Ihre Mutter hatte das gehört, dachte scheinbar ich bilde ihre liebe kleine Tochter zu einer Massenmörderin aus und bei der nächsten Runde durfte plötzlich keines der Mädchen mehr kommen.

Also hab ich mich mit den Eltern zusammen hingesetzt und alles erläutert und, wer hätte es gedacht, sie haben es verstanden und wir haben uns auf bestimmte Eckpunkte geeinigt (keine Gewaltbeschreibung, Investigative Plots ect.) und sind auseinander gegangen ohne das es weiter Stress gab.

Ich denke viele Menschen haben zunächst einmal bedenken, wenn sie etwas nicht kennen oder verstehen, aber wenn man in der heutigen Zeit überleben will, muss eine gewisse Offenheit sich erhalten. Die allermeisten Menschen sind im Grunde vernünftig.

Natürlich kann man sich Horrorszenarien ausmalen mit "was wäre wenn"? Aber realistisch betrachtet kommt es sehr selten zu einer so krassen Eskalation, wie du sie schilderst. Im Gegenteil, die Eltern aus meinem Beispiel haben sogar gemeint, dass sie eventuell mitspielen wollen, beim nächsten Mal ;)

Antworten Zuletzt bearbeitet am 11.03.2015 11:40.

Tsu

44, Männlich

Beiträge: 906

Re: Gesicht zeigen - Rollenspiele und Realleben

von Tsu am 11.03.2015 10:52

Ich bin kein Lehrer und auch sonst könnte Ich dir diesbezüglich keinen Ratschlag geben, da das Umfeld bei jedem Menschen anders ist (auch in der selben Berufsgruppe), aber Ich stand vor sehr vielen Jahren vor genau der selben Frage.

 

In meinem IT Job führe Ich täglich Kundenmeetings mit teilweise knallharten Diskussionen über finanzielle Vertragsaspekte. Ausserdem habe Ich als Teamlead eine gewisse Personalverantwortung. Mittlerweile sieht mein Kunde D&D 5 Bücher auf meinem Schreibtisch, meine Monitore werden gehalten von R2D2 und Van Helsing. Mindestens 10 Würfel liegen in einer Schale bereit und meine Wallpaper sind aktuell aus dem Cthulhu RPG. Stört es meine Mitarbeiter und Kunden? Nein, weil sie wissen dass es nichts mit meiner qualifizierten Arbeit zu tun hat und ein zufriedener Mensch mehr Leistung erzeugen kann Interessiert es Leute die in mein Büro kommen? Ja! Ich erkläre es ihnen gerne und mein Geeksachen haben schon oft lockere einleitende Gespräche zu Tage gefördert, die die Atmo bei schwierigen Themen wesentlich verbessert hat.

Ich habe mich damals dafür entschieden, meinen Lebensstil Rollenspiel offen auszuleben und gehofft, dass Ich genug Selbstvertrauen habe um mit den Konsequenzen meiner Öffentlichkeit gut umzugehen. Rollenspiel ist für mich ein Lebensstil. Ein Lebensstil der mich als Person prägt und ausmacht. Würde Ich diesen verheimlichen würde Ich ähnlich leiden wie jemand der aus komplett anderen Gründen nicht "aus dem Schrank heraus kommt". Ich schrieb dazu mal folgendes:

"Some people play tennis and see it as their hobby. Some play soccer, some collect stuff, some do other stuff they see as their hobby. But roleplaying is not my hobby, it´s my lifestyle.

It is not "my life"! I have a paid work I like, i have other hobbies and social contacts outside of the RPG hobby, but everything in my life is touched by my roleplaying lifestyle.
At my work, communicating with others or teaming up with other people has really improved due to my roleplaying experience. My lifestyle tought me well to debate with customers and to use my creativity in problemsolving.
As a roleplayer I can´t watch a movie without that one thought in the back of my head "Hm.. would that be a nice plot for my adventure?": There are even movies which really suck, but I can still pull out value as a roleplayer.
I truely believe that growing up as a roleplayer tought me moral principles and thoughts, like equality and to be aware of discrimination in my social enviroment. Hell ya, i think I even learnd to be a romantic due to RPG
And that´s the reason, why i was so shocked when I heard someone say today "Oh, roleplaying, I did that but I quit!". I think you will never hear that from me. It doesn´t matter if I´m in an active table top RPG group at the moment, the RPG lifestyle still is present in so many parts of my life, it´s simply impossible for me to say "I quit RPG!". It would be like saying "I am someone different now...". Today and hopefully for the rest of my life."


Um es auf den Punkt zu bringen: Entscheide für dich selbst, wie wichtig der Punkt Rollenspiel in deinem Leben ist. Wenn er einen sehr grossen Teil ausmacht, entscheide dich, ob du diesen Teil deiner Persönlichkeit auf ewig verstecken willst.

lg

Tsu

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Clawdeen

47, Weiblich

Beiträge: 694

Re: Gesicht zeigen - Rollenspiele und Realleben

von Clawdeen am 11.03.2015 09:27

Wenn du Lust auf kleinere Videos, Vlogs usw. hast, dann mach sie doch einfach. Warum direkt das gesamte Hobby ins Internet transportieren, statt nur Teile davon? Befasst du dich denn NUR mit "denkwürdigen" Plots und Co.?

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EinfachNurA

41, Männlich

Beiträge: 1048

Re: Gesicht zeigen - Rollenspiele und Realleben

von EinfachNurA am 11.03.2015 08:58

Also es gibt hier viele Runden, bei denen man die Gesichter der Leute nicht sieht und die trotzdem gut funktionieren, als Beispiel etwa die von "Das Reh". Auch wenn es vielleicht ansprechender ist, wenn man ein Gesicht sieht, aber das entscheidet immer noch jeder selbst, ob er sich zeigen möchte oder nicht. Bei mir sieht man meistens auch nur meine Denkerstirn und trotzdem geht es, hoffe ich, ganz gut.

Hier bist du gut aufgehoben mit der Frage, weil es auf dem Nerdpol viele Erzieher und Lehrer gibt, die das Problem auch haben.

Leieder wahr, dass Leute mit dem Begriff nichts anfangen können, wobei die meisten die ich traf immer fragten: "Rollenspiel? Du meinst soetwas wie dieses World of Warcraft?" oder aber "Rollenspiel? Oh, du bist beim Theater?".

Letzteres finde ich immer schön als Erklärung für Leute. Stell's dir wie Theater vor. Du spielst eine Rolle und lebst die Figur aus. Oder wie im Film. Ein Schauspieler kann ein unglaublich lieber Kerl sein, aber der genialste Arschlochbösewichte sein, den man kennt. Das Ganze eben nicht auf einer Bühne, sondern am Tisch oder im Internet.

Außerdem ist ein kreatives Hobby, man denkt sich Rollen und Geschichten, gar ganze Welten aus, was doch eigentlich von den meisten Eltern geschätzt werden sollte.

Was ein Lehrer in seiner Freizeit macht, sollte eigentlich kein Problem sein, wenn es nicht gesetzwidrig ist, finde ich.

Aber die Hobbies anderer Leute muss man nicht verstehen. Wie sagt einst ein Kumpel zu meinen Rollenspielrunden: "Dafür hätte ich keine Geduld. Ich verstehe auch gar nicht, wie fünf Leute vier Stunden im Internet vor einer Kamera sitzen können, und niemand sich auszieht."

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"Ohne A wären wir nicht nur alle aufgeschmissen, das Leben wäre auch weniger schön." - SirPadras

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Xaveria
Gelöschter Benutzer

Gesicht zeigen - Rollenspiele und Realleben

von Xaveria am 11.03.2015 00:46

Hallo,

schön, dass es die Philosophieecke gibt. Mich umtreiben einige Gedanken, die immer mal wieder aufkommen und zu denen ich gern andere Meinungen hören würde. Ich entschuldige mich mal im voraus, wie ich mich kenne, wird die Darstellung meiner Gedanken ausschweifend.

Meine Gedanken betrifft die Mischung von folgenden Punkten:
1. Reales Leben, vor allem Berufsleben
2. Freiheit der Freizeitgestaltung und Fallen lassen im Rollenspiel
3. Internet und das lange Gedächtnis beziehungsweise die unbekannte Entdecker- und Zuschauerwelt.

Ich möchte gern Lehrer werden. Idealvorstellungen meiner späteren Lebenswelt ist die Arbeit als Grundschullehrer in ländlicher Gegend.
Bisher konnte ich durch Freunde in diesem Berufszweig (und auch selbst) folgende Erfahrungen machen: Sobald irgendetwas nicht optimal (nach Elternsicht) läuft, bist du als Lehrer der Arsch und wenn sich noch irgendein Haar in deinem weiteren Leben findet, bist du im Arsch. Ich pauschalisiere hier ganz böse und diese Überspitzung dient dazu, meine Gedanken auf den Punkt zu bringen. Ja, es gibt auch tolle Eltern etc. Doch der ein oder andere Kinogänger hat vielleicht "Frau Müller muss weg" gesehen und hatte wie ich die unterhaltsame Erkenntnis: Ja, genau solche Eltern kenne ich aus der eigenen Schulzeit; von Elternversammlungen im Kindergarten etc, von Sportveranstaltungen - was auch immer.
Ich habe unter anderem neben meinem Studium in einem Hotel gearbeitet. Da kam das Gespräch mal darauf, wie ich meinen Freund kennen lernte und ich plauderte sorglos: "Ach, den habe ich beim Rollenspiel kennen gelernt." Daraufhin lernte ich zwei Dinge. 1. Rollenspiel ist kein Begriff, den alle Menschen mit vielfältiger Freizeitbeschäftigung im Bereich von Theater, Brettspiel etc. verbinden. 2. Menschen hören Erklärungen zwar, aber wenn sie ein Bild haben, begreifen oder glauben sie Erklärungen nicht immer oder nicht vorbehaltslos. Bilder verschwinden einfach nicht aus Köpfen.

Im Rollenspiel möchte ich mich fallen lassen. Ich möchte mich beim Spielen nicht ständig kontrollieren müssen, weil ich an die Stunden denken muss, in der ich in einer Berufsrolle stecke. Ich möchte einfach spielen. Nun spiele ich ein System (WoD), in dem es um Horror und Abgründe geht. An sich halte ich das nicht für schlimm, ich lese ja auch gern mal einen guten Krimi oder Thriller. Und da gibt es ja auch so einige, die man nur an der Ecke festhält und das Blut quillt zwischen den Seiten hervor. Die Welt ist schmutzig, passieren Morde, Vergewaltigungen und auch Kinder und kuschlige Häschen nehmen in diesem System schaden und transportieren so für mich, meine Spieler und meine Mitspieler das Schauern und die Beklemmungen, die uns so schön gruseln lassen. Das heißt, ich habe die Möglichkeit Figuren Dinge tun oder erleben zu lassen, denen reale Grenzen von Sitte, Anstand und gutem Geschmack nicht einmal mehr von weitem zuwinken können.

Das Internet vergisst nicht und das Internet ist ekelhaft in der Wiedervorlage.

Meine Horrorvision nun:
Ich gebe der kleinen Pia eine vier in Mathe, weil die kleine Pia ihr kleines Einmaleins noch immer nicht auf die Reihe bekommt und die 7'er-Reihe nicht kann. Pias Mama findet, ich sei total unfair, denn zu Hause kann Pia das ganz toll und überhaupt bin ich ja total ungerecht und andere Lehrer bewerten Pia viel besser. Ich hingegen wolle dem Engelchen ja nur schaden, weil ich es nicht leiden könne und sowieso.
Pias großer Bruder findet nun im Internet einen Stream, bei dem ich für meine Spieler schildere, wie die Helden die Leiche eines Kindes entdecken und schildere ihnen Verletzungen, mit denen sie sich den Hergang herleiten können und die auf manigfaltigen Missbrauch durch den Schurken hinweisen und Spuren geben. (Ihr kennt den Spaß aus Krimis, da braucht es gar nicht viel dazu. Höschen um die Knöchel und irgendwas nichtkindliches von Kleidung oder Gebrauchsgegenstand dazu, eventuell ein bisschen Blut, schon geht das Gedankenkarussell ab und die Helden wollen die nächsten Opfer schützen.)
So, in Idealfall kommt an dieser Stelle sofort der Direktor und die Erklärungsforderung ins Spiel, im Normalfall bauscht sich die Geschichte jetzt via Elternrat, Nachbarschaft und sonstige Gerüchteküche noch auf. Wie kann ein Mensch mit solchen "Hobbys" in so einem Beruf arbeiten?


So, natürlich habe ich jetzt Extreme gewählt. Ich habe zu eigenen Schulzeiten sehr viel harmlosere Grundkonstellationen aus Rollenspiel und realem Alltag in die Luft gehen sehen. Vielleicht sollte man mit solchen Geschichten mal einen Geschädigtenthread eröffnen. ^^

Die Sache ist nun: Ich würd so gern. Auch kleine Youtubevideos machen. Anlass für das heutige Gedankenkarussel war die VLOG-Aufgabe für März. Und dann kam ich auf den Gedanken: Aber dann sieht man mein Gesicht. Und unsere bisherigen Bilder vom Rollenspiel musste ich für unsere Spieler auch unter Verschluss nehmen. Gerade weil ich viele Lehrer und Pädagogen in der Gruppe habe und die vor allem im ländlichen Raum arbeiten und der Alltag so schon unschöne Seiten hat.

Wie denkt ihr darüber?
Sicher betrifft so etwas nicht nur Lehrer, sondern auch andere Berufsgruppen. Wie denkt ihr über die Vereinbarkeit von Rollenspiel, Realität und Internet?
Freue mich auf Diskussionen und anregende Gedanken von anderen Seiten.

Liebe Grüße
Xaveria

Antworten
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